Satomi Ichikawa (Text + Illustrationen). Aus dem Französischen von Markus Weber. Moritz, 2021 (2. Auflage). [Mon petit cheval Mahabat, 2019]

Nach dieser langen und verlängerten Sommerpause, melde ich mich zurück mit einem ganz zarten, wunderbaren, poetischen Buch von einer japanischen Autorin und Illustratorin, die in Paris lebt und publiziert. Schon so lange wollte ich das Buch vorstellen, nun passt es perfekt! Ich bin mir nicht sicher, ob es der multikulturelle Hintergrund der Autorin ist, aber fast alle ihre Bücher finde ich wunder-wunder-schön – Text und Illustrationen! Ichikawas Bücher sind poetisch, langsam und reduziert, die Illustrationen sind ästhetisch und doch kindgerecht, sie sind realistisch (nicht comichaft verzerrt) und weisen eine gelungene und wohlüberlegte Farbpalette auf. Die Autorin zeichnet im Stil von alten Naturatlanten mit vielen Details und charakteristischen Merkmalen von Tieren und Natur, wie man auf den Innenseiten des Covers sehen kann (Blumen). Die Illustrationen der Geschichte selbst weisen aber eine viel weichere und verspieltere Version dieses Stils auf, jedoch immer noch mit viel Liebe zum Detail. Man sieht, sie hat viel beobachtet und auf ihren Reisen genau hingesehen.

Das vorliegende Buch eignet sich besonders gut für diesen Blog, da es um die kleine Djamilia in Zentralasien geht, die ihre Schulferien bei Oma und Opa „weit weg von unserem Dorf“ verbringt. Oma und Opa leben, zumindest für sechs Monate im Jahr, in einer Jurte in völliger Abgeschiedenheit in der mongolischen Steppe, im Hintergrund die Berge und Gletscher. Sie sind Pferdezüchter und/oder -hüter und die frei herumlaufenden Tiere sind Teil dieser heilen Welt des Zusammenlebens von Mensch, Tier und Natur. Neben der beeindruckenden Landschaft, kann man den Innenraum der Jurte sehen, mongolisches Essen und Bekleidung kennenlernen. Wie „mongolisch“ nun die dargestellte Kleidung sein mag (Gesellschaft ist ja meist sehr heterogen und mehr und mehr international), sei dahingestellt, auf jeden Fall sieht man interessante Kopfbedeckungen und tunikaartige Oberteile.

Das Highlight des Sommers ist Djamilias Freundschaft mit dem schwarzen Fohlen Mahabat, was auf Kirgisisch „Liebe“ bedeutet. Es hatte sich verletzt und Djamilia pflegt es wieder gesund, dabei lernt sie von ihrem Opa: „ein Pferd darf man niemals erschrecken. Man muss immer von der Seite herantreten und dabei sanft mit ihm sprechen. Es muss dich kommen sehen, damit es sich sicher fühlt.“ Und: „Wickle den Verband immer wie eine Acht um das Bein, und pass dabei auf, dass er nicht zu locker sitzt, aber auch nicht zu fest.“ – „Ja, Opa, ich bin ganz vorsichtig.“  Und so behutsam wie das Mädchen mit dem Pferd umgeht, gehen auch die liebevollen Großeltern mit dem Kind um und man hat den Eindruck, die Autorin mit ihrem Gegenstand. Das Buch ist so herzergreifend, weil es um den behutsamen Umgang mit Mitmenschen, Tieren und der Natur geht, den die Autorin-Illustratorin in ihrem Werk zeigt. Und das ist nun wirklich große Literatur: etwas zu zeigen, anstatt es auszusprechen.  

Besonders schön fand ich persönlich natürlich auch, dass der Hütehund, der dem Opa hilft, die Herde zusammen zu treiben, ein Berner Sennenhund ist. Die besondere Fellzeichnung der Sennenhunde fällt sofort auf und erinnert mich an meine Kindheit mit einem ähnlich wuscheligen Sennenhund.

Die Altersempfehlung lautet 4-6 Jahre, was ich sehr passend finde. Nach sechs Jahren scheinen mir die Kinder mehr Text und Informationen zu erwarten – das zeichnet sich zumindest bei uns schon so ab. Als 4-6jährige hätte ich auch Djamilia durch ihr Aussehen und Verspieltheit eingeschätzt, weshalb ich sie eher als Kindergarten- und nicht als Schulkind lesen würde.

Ein unglaublich liebevolles, verspieltes Buch, in dem es um Freundschaft und Achtsamkeit geht. Ein Muss auch für Fans der Literaturepoche Romantik, an deren „wildromantische“ Ästhetik und Thematik es anknüpft.

© Kathrin Schneider

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